Prolog

Es war einmal in einem weit entfernten Königreich namens Kendris. Kendris war ein Land, in dem sowohl deine schönsten Träume als auch deine schrecklichsten Albträume in Erfüllung gehen konnten. Fernab von allen Menschen, die nicht einmal ahnten, dass Kendris existierte, lebten dort Elfen, Feen, Cupidos und dunkle Wesen zusammen auf einer Inselgruppe mitten auf dem Ozean. Die Einwohner Kendris’ versuchten, friedlich miteinander zu leben und die guten unter ihnen hatten sich zusammengeschlossen und geschworen, die Menschen vor den Wesen der Dunkelheit zu beschützen, indem sie diese bekämpfen.
Inmitten dieser Wesen, auf dem Schloss der Königsfamilie lebte eine kleine Prinzessin. Sie war noch sehr jung, gerade Mal ein Baby von ein paar Wochen, doch außer ihren Eltern und einer Vertrauten wusste niemand von ihr. In Kendris lebte man zur Zeit ihrer Geburt gefährlich, besonders als Mitglied der Königsfamilie. Aus lauter Angst, dass ihrer kleinen Tochter etwas zustoßen könnte, verkündeten der König und die Königin, dass ihr Kind bei der Geburt umgekommen sei und gaben die kleine Juliet der treusten Dienerin der Königin, die für Juliet sorgen und sie zwei Mal im Jahr als ihre eigene Tochter nach Kendris zu ihren Eltern bringen sollte.
Der Abschied war tränenreich, so erzählte die Dienerin der kleinen Juliet wann immer sie danach fragte. Besonders in jungen Jahren war es für sie schwer, zu verstehen was vor sich ging – und noch schwerer, ihre Tarnung als Tochter der Dienerin aufrecht zu erhalten. Sie liebte ihre Ziehmutter, doch sie wollte auch ihre eigenen Eltern kennenlernen, was fast unmöglich war. Während in ihrer Heimat also stets der Kampf des Guten gegen das Böse weiterging, wuchs die kleine Juliet in einer Welt auf, in der sie für diese Geschichte – die Wahrheit – für verrückt gehalten worden wäre oder aber viel Geld für die Filmrechte bekommen hätte: Los Angeles.
Als Tochter der Königsfamilie, auch wenn davon gerade mal vier Personen – sie eingeschlossen – wussten, ging sie nur auf die besten Schulen und die Dienerin ihrer Mutter konnte immer für sie sorgen, ohne sich Gedanken um Geld machen zu müssen. Juliet liebte Los Angeles, doch sie hatte nie das Gefühl, wirklich dort hinzugehören – in keine der beiden Welten. In Los Angeles war sie das It-Girl, das die Herzen der Jungs brach, weil keiner ihres erobern konnte – und in Kendris war sie nur die Tochter der Dienerin der Königin. Besonders ihr Vater erhielt die Tarnung aufrecht. Er redete kaum ein Wort mit ihr – und wenn, dann nur wie zur Tochter der Dienerin. Ihre leibliche Mutter hingegen sah sie immer sehnsüchtig an, weil es ihr schwer fiel, ihre Tochter nur aus der Ferne aufwachsen zu sehen. Sie wusste, dass ihr Leben so wahrscheinlich besser und freier, verlief, als es in Kendris verlaufen würde, jedoch fragte sie sich jedes Mal, wenn sie ihre Tochter sah, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, sie einfach so wegzuschicken.
Juliet stellte sich oft die Frage, wo sie sein wollen würde, wenn sie die Wahl hätte. In Kendris oder Los Angeles? Diese zwei Orte unterschieden sich von Grund auf und waren sich doch so ähnlich. In Kendris gab es keine Filmstars und neben dem Auto wurde oftmals ein Roller oder das Pferd bevorzugt, doch ansonsten war es genauso modern wie Los Angeles und viele andere Orte auf der Welt. Nur, dass es nirgends auf der Welt einen Ort gab, an dem die Magie und das Übernatürliche so offensichtlich, so greifbar war, wie in Kendris.
Juliet selbst hatte keine großartigen Fähigkeiten, da sie diese nie trainieren konnte, doch in einer Welt zu leben, in der die Magie als lächerlich, erfunden und nicht vorhanden galt, war für sie genauso unvorstellbar, wie in Kendris zu leben, wo sie nur die Tochter der Dienerin war. Sie befand sich in einem ständigen Konflikt zwischen drei Identitäten, die nicht zusammenpassten: Die Schülerin aus Los Angeles, die Tochter der Dienerin und die Prinzessin, von der niemand etwas ahnte. Für jegliche Wesen der Dunkelheit war sie uninteressant solange sie in Los Angeles war.
Sie wünschte sich nichts mehr, als sich endlich für einen ihrer drei Persönlichkeiten entscheiden zu können, zu sein, wer sie wirklich war und sich nicht mehr verstecken zu müssen. Und vielleicht würde sie ja sogar ihren Romeo finden, wenn sie sich endlich nicht mehr verstecken musste….


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